Altersvorsorgedepot 2027: Förderung und Funktionsweise
Das Altersvorsorgedepot startet 2027 als neuer Riester-Nachfolger. Erfahre, wie ETF-Anlage, Förderung, Risiken und Auszahlung funktionieren.
Altersvorsorgedepot 2027: So funktioniert der Riester-Nachfolger
Zum 1. Januar 2027 beginnt eine neue Generation der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Kern der Reform ist das Altersvorsorgedepot, kurz AVD. Es ermöglicht, geförderte Beiträge kapitalmarktorientiert in Aktien, Fonds und ETFs anzulegen. Anders als klassische Riester-Produkte kann ein Altersvorsorgedepot ohne Beitrags- oder Kapitalgarantie angeboten werden.
Damit steigen die langfristigen Renditechancen – gleichzeitig trägst du das Risiko von Kursschwankungen und möglichen Verlusten.
Ist das Altersvorsorgedepot der Nachfolger der Riester-Rente?
Für Neuabschlüsse bildet das AVD einen zentralen Baustein der reformierten privaten Altersvorsorge. Der Bundestag beschreibt die Reform als Ablösung des bisherigen Riester-Sparens.
Bestehende Riester-Verträge verschwinden jedoch nicht automatisch. Für Altverträge gilt Bestandsschutz. Du solltest deshalb nicht vorschnell kündigen: Eine Kündigung kann zur Rückforderung von Zulagen und Steuervorteilen führen. Ob Fortführung, Beitragsfreistellung oder Übertragung sinnvoll ist, hängt vom konkreten Vertrag ab.
Was ist ein Altersvorsorgedepot?
Das AVD ist kein gewöhnliches Wertpapierdepot. Es handelt sich um einen zertifizierten Altersvorsorgevertrag mit gesetzlichen Regeln für Förderung, Anlage, Kosteninformation und spätere Auszahlung.
Innerhalb des Vertrags kann das Kapital in zugelassene Wertpapieranlagen fließen. Welche ETFs, Fonds oder weiteren Anlageklassen tatsächlich verfügbar sind, bestimmt das Angebot des jeweiligen Anbieters innerhalb des gesetzlichen Rahmens.
Was ist neu gegenüber klassischen Riester-Produkten?
Die Reform verändert insbesondere vier Bereiche:
- Kapitalmarktorientierte Anlage über ETFs, Fonds und weitere geeignete Anlagen
- AVD ohne Garantie als Alternative zu Garantieprodukten
- Beitragsabhängige statt überwiegend pauschaler Zulagen
- Flexiblere und transparentere Vertrags- und Auszahlungsregeln
Der Verzicht auf eine Garantie kann einen höheren Aktienanteil ermöglichen. Garantien kosten nicht nur direkt Geld, sondern können Anbieter dazu zwingen, einen großen Teil des Vermögens defensiv anzulegen. Ohne Garantie kann der Depotwert zum Rentenbeginn aber auch unter den geleisteten Beiträgen liegen.
Wie funktioniert die staatliche Förderung?
Nach der im März 2026 beschlossenen Fassung wird die Grundzulage an die eigenen förderfähigen Beiträge gekoppelt:
- 50 Prozent Förderung auf Eigenbeiträge bis 360 Euro pro Jahr
- 25 Prozent Förderung auf den Beitragsanteil von 360,01 bis 1.800 Euro pro Jahr
Damit kann die Grundzulage bei 1.800 Euro förderfähigem Eigenbeitrag maximal 540 Euro pro Jahr erreichen. Zusätzlich ist eine Kinderzulage vorgesehen, die unter den gesetzlichen Voraussetzungen bis zu 300 Euro je berücksichtigungsfähigem Kind erreichen kann.
Neben den Zulagen kann ein Sonderausgabenabzug relevant sein. Welche Förderung tatsächlich wirkt, hängt von Förderberechtigung, Beiträgen, Kindern und persönlicher Steuerbelastung ab.
Wer kann das AVD nutzen?
Die Reform erweitert den Kreis der Förderberechtigten. Neben Pflichtversicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung können unter den gesetzlichen Voraussetzungen weitere Gruppen einbezogen sein, darunter Selbstständige. Auch mittelbar zulageberechtigte Ehepartner bleiben Teil des Fördersystems.
Da die persönliche Berechtigung von Erwerbsstatus, Versicherung und Steuerpflicht abhängen kann, solltest du sie vor Vertragsabschluss prüfen.
Wann kann das Geld ausgezahlt werden?
Das Altersvorsorgedepot ist für die Altersvorsorge gebunden. Es ist kein frei verfügbares Depot, aus dem jederzeit ohne Folgen Geld entnommen werden kann. Die reguläre Auszahlungsphase beginnt grundsätzlich erst im vorgesehenen Rentenalter beziehungsweise nach den gesetzlichen Vertragsvoraussetzungen.
Je nach zertifiziertem Modell kommen ein Auszahlungsplan oder eine lebenslange Rentenlösung infrage. Leistungen werden nachgelagert besteuert. Vorzeitige oder nicht vorgesehene Entnahmen können als schädliche Verwendung zur Rückzahlung von Förderung führen.
Welche Risiken bestehen?
- Kurse können stark fallen.
- Es gibt beim AVD ohne Garantie keinen Schutz der eingezahlten Beiträge.
- Ein ungünstiger Börsenstand kurz vor Rentenbeginn kann die Auszahlung belasten.
- Produkt-, Depot- und Fondskosten reduzieren die Rendite.
- Die Auswahl einzelner Themen oder Aktien kann zu hoher Konzentration führen.
- Steuer- und Förderregeln können sich langfristig verändern.
Eine altersabhängige Reduzierung des Aktienrisikos kann sinnvoll sein, ist aber keine Garantie gegen Verluste.
Fazit
Das Altersvorsorgedepot verbindet staatliche Förderung mit kapitalmarktorientierter Geldanlage. Es bietet größere Renditechancen als stark garantielastige Produkte, verlangt aber Risikobewusstsein und einen langen Anlagehorizont. Entscheidend werden die konkreten Kosten, die verfügbare ETF-Auswahl und die Gestaltung der Auszahlungsphase sein.
Häufige Fragen
Startet das Altersvorsorgedepot wirklich am 1. Januar 2027?
Das Altersvorsorgereformgesetz wurde im Mai 2026 verkündet; die maßgeblichen neuen Regelungen treten zum 1. Januar 2027 in Kraft. Ob jeder Anbieter unmittelbar zum Start ein zertifiziertes Produkt anbietet, ist eine separate Frage.
Ist die Rendite garantiert?
Nein. Beim Altersvorsorgedepot ohne Garantie sind Wertsteigerungen und Verluste möglich.
Muss ich meinen Riester-Vertrag wechseln?
Nein. Für bestehende Verträge gilt Bestandsschutz. Ein Wechsel sollte erst nach Kosten-, Förder- und Leistungsvergleich erfolgen.