Riester oder Altersvorsorgedepot: Wechsel ab 2027?

Riester-Vertrag behalten, beitragsfrei stellen oder ins Altersvorsorgedepot wechseln? Diese Kosten, Garantien und Förderfolgen solltest du prüfen.

Riester-Vertrag behalten oder ins Altersvorsorgedepot wechseln?


Mit dem Start des Altersvorsorgedepots stellt sich für Millionen Riester-Sparer die Frage, was mit dem bestehenden Vertrag geschehen soll. Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Alte Verträge können wertvolle Garantien, hohe Zulagen oder ungünstige Kosten enthalten – manchmal gleichzeitig.

Die wichtigste Regel lautet: Nicht vorschnell kündigen. Eine förderschädliche Kündigung kann Zulagen und Steuervorteile kosten.


Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?


Bestehende Verträge genießen Bestandsschutz. Sie werden nicht automatisch in ein Altersvorsorgedepot umgewandelt. Du kannst deinen Vertrag grundsätzlich nach den bisherigen Regeln fortführen, sofern Anbieter und Vertrag dies ermöglichen.

Die Reform schafft eine neue Produktgeneration, zwingt Bestandskunden aber nicht zum Wechsel.


Vier mögliche Wege


1. Riester-Vertrag weiter besparen

Das kann sinnvoll sein, wenn:

- deine persönliche Zulagenquote hoch ist,
- der Vertrag günstige Garantien enthält,
- die laufenden Kosten vertretbar sind,
- nur noch wenige Jahre bis zur Auszahlung verbleiben,
- ein Wechsel wirtschaftlich keinen klaren Vorteil bietet.

2. Vertrag beitragsfrei stellen

Bei einer Beitragsfreistellung bleiben bisheriges Kapital und bestehende Ansprüche im Vertrag, während keine neuen Eigenbeiträge fließen. Kosten können trotzdem weiterlaufen und die garantierten Leistungen können sinken.

Die genaue Wirkung sollte der Anbieter schriftlich berechnen.

3. Gefördertes Kapital übertragen

Eine förderunschädliche Übertragung auf einen neuen zertifizierten Vertrag kann möglich sein. Dabei werden Zulagen nicht wie bei einer schädlichen Kündigung zurückgezahlt, sofern alle gesetzlichen Voraussetzungen eingehalten werden.

Zu prüfen sind Verkaufszeitpunkt, Garantiewert, Übertragungswert, Kosten und Dauer des Vorgangs.

4. Riester-Vertrag kündigen

Bei einer normalen Auszahlung vor dem vorgesehenen Altersvorsorgefall liegt häufig eine schädliche Verwendung vor. Zulagen und über die Steuer gewährte Vorteile werden vom Guthaben abgezogen. Zusätzlich können Marktverluste und Vertragskosten wirken.

Kündige erst, wenn dir eine verbindliche Auskunft über den tatsächlichen Auszahlungsbetrag vorliegt.


Garantie gegen Renditechance


Viele ältere Riester-Produkte garantieren zumindest eingezahlte Beiträge und Zulagen zum Beginn der Auszahlungsphase. Diese Garantie kann wertvoll sein, begrenzt aber häufig die Aktienquote und damit die Renditechance.

Das AVD ohne Garantie kann stärker in Aktien und ETFs investieren. Sein Wert kann zum Rentenbeginn jedoch niedriger als die Summe der Einzahlungen sein.

Der Wechsel ist daher keine reine Kostenfrage, sondern verändert das Risiko des Vertrags.


Welche Zahlen brauchst du vom Riester-Anbieter?


Fordere eine aktuelle Übersicht an über:

- Vertragsguthaben,
- garantierte Leistung zum Rentenbeginn,
- Summe der Eigenbeiträge und Zulagen,
- bisherige und künftige Kosten,
- Rückkaufswert bei Kündigung,
- Übertragungswert bei Anbieterwechsel,
- Leistung bei Beitragsfreistellung,
- Beginn und Form der Auszahlung.

Vergleiche diese Werte mit einem realistischen AVD-Szenario nach Kosten und nicht mit einer optimistischen Werberendite.


Wann spricht mehr für das AVD?


- langer Zeitraum bis zum Ruhestand,
- hohe Kosten oder schwache Anlage des Altvertrags,
- Bereitschaft zu deutlichen Kursschwankungen,
- günstiges AVD mit breiter ETF-Auswahl,
- attraktive persönliche Förderung,
- passende Auszahlungsbedingungen.


Wann kann Behalten sinnvoller sein?


- wertvolle Garantie oder hoher garantierter Rentenfaktor,
- kurze Restlaufzeit,
- sehr günstiger Altvertrag,
- hohe persönliche Risikoaversion,
- ungünstiger aktueller Übertragungswert,
- gesundheitlich oder vertraglich wertvolle Zusatzleistungen.


Altvertrag und neues AVD kombinieren


Eine Entscheidung muss nicht immer vollständig sein. Je nach Förderregeln kannst du einen Altvertrag beitragsfrei halten und neue Beiträge in ein AVD lenken. Dabei sind die Verteilung der Zulagen, Vertragskosten und Höchstbeträge zu beachten.

Mehrere Verträge schaffen Flexibilität, erhöhen aber den Verwaltungsaufwand.


Wechsel-Checkliste


- Bestandsschutz und Altvertragsgarantien verstanden
- Übertragungswert schriftlich eingeholt
- Kündigungsabzüge und Förderrückzahlung geprüft
- AVD-Gesamtkosten verglichen
- Risiko ohne Garantie akzeptiert
- ETF-Auswahl und Risikosteuerung geprüft
- Auszahlungsmodelle verglichen
- Steuer- und Zulagenfolgen geklärt
- Erst neuen Vertrag bestätigen, dann Übertragung beauftragen


Fazit


Das Altersvorsorgedepot macht einen alten Riester-Vertrag nicht automatisch überflüssig. Ein Wechsel kann bei langer Laufzeit, hohen Altvertragskosten und ausreichender Risikobereitschaft attraktiv sein. Garantien, Förderfolgen und Übertragungswert musst du jedoch individuell gegenrechnen.

Häufige Fragen

Wird mein Riester-Vertrag automatisch zum Altersvorsorgedepot?

Nein. Bestehende Verträge genießen Bestandsschutz und werden nicht automatisch umgestellt.

Muss ich bei einer Übertragung die Zulagen zurückzahlen?

Eine gesetzeskonforme Übertragung auf einen anderen zertifizierten Altersvorsorgevertrag kann förderunschädlich sein. Eine freie Kündigung und Auszahlung ist davon zu unterscheiden.

Soll ich bis 2027 mit der Entscheidung warten?

Ein konkreter Vergleich ist erst möglich, wenn zertifizierte AVD-Angebote, Kosten und Anlageoptionen vorliegen. Vorher sollte keine Entscheidung allein aufgrund allgemeiner Produktversprechen getroffen werden.

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